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Frühling im Johannapark
Den Winter über schlummerte er vor sich hin. Nun hält der Frühling mit leuchtenden Farben Einzug in den Park unweit der Schwägrichenstraße. Die ersten wohlig warmen Sonnenstrahlen haben die idyllische Grünanlage mit dem hübschen Teich und der kleinen Insel in der Mitte endlich wach geküsst. Das Gras der Wiesen ist nun wieder saftig grün und überall sprießen Krokusse und Schneeglöckchen. Doch nicht nur die Frühblüher lockt die Wärme ins Freie. Auch die Leipziger drängt's wieder nach draußen und genießen die lachende Sonne auf der Haut.
Wer Zeit hatte und sich nicht vom ersten Heuschnupfen des Jahres die Laune verderben ließ, den zog über Ostern fast täglich ins Freie. Entsprechend voll waren die Wiesen des Johannaparks, wo hunderte Menschen sonnenbadeten, Frisbee spielten oder genüsslich angrillten. Dass sich hinter diesem beliebten Park eine traurige Entstehungsgeschichte verbirgt, ahnt sicher niemand in der quirligen Menge.
Denn der Park entstand, um an Johanna Nathalie, die früh verstorbene Tochter des Leipziger Bankiers Wilhelm Theodor Seyfferth zu erinnern. Der Überlieferung nach trägt der Vater eine Mitschuld an ihrem Tod. Seinem Willen entsprechend, musste sie 1856 mit einem seiner Angstellten - dem Bankier Dr. Gustav Schulz - den Bund der Ehe schließen. Ihre Liebe galt jedoch dem Gutsbesitzer Willhelm Minckwitz. Johannas Herz zerbrach an dieser Situation. Sie nahm sich bereits zwei Jahre nach ihrer Heirat mit Schulz das Leben.
Den Vater plagten schwere Schuldgefühle. Voller Reue gedachte er, der Nachwelt etwas zu hinterlassen, das im Sinne seiner Tochter gewesen wäre: Einen Park, dessen grüne Vielfalt noch Generationen nach ihr erleben sollten. Sofort nahm Seyfferth Kontakt zum Königlich preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné auf. Dieser kam im Mai 1858 nach Leipzig und besah sich die Wiese, auf der der Park entstehen sollte. Bereits zwei Monate später präsentierte er seinen Entwurf für das Gelände und verwandelte die vormals feuchten Wiesen in einen englischen Landschaftsgarten mit einer Fülle an exotischen Baumarten.
In seinem Testament stiftete Willhelm Seyfferth den Johannapark der Stadt Leipzig, unter der Bedingung, dass dieser für immer der Bebauung entzogen bleibt und seinen ursprünglichen Namen „Johannapark“ behält. (Mathias Uhlig/Jan Hilpert)


